Bei bestem Wetter haben Vertreter*innen von Stadt und Politik am Dienstag auf dem Schlesischen Platz den Spaten geschwungen: Damit ist offiziell der Bau von Dresdens erstem Fahrradparkhaus gestartet. Bis Ende 2027 sollen dort 800 überdachte und abgeschlossene Stellplätze entstehen.

Langer Weg zum ersten Spatenstich
Schon 2014 zeigte das Radverkehrskonzept, dass die vorhandenen 228 Stellplätze am Bahnhof Neustadt nicht ausreichen. Der Stadtrat brauchte trotzdem bis in den Frühling 2025, um den Bau zu beschließen, nachdem zuvor auch der ADFC mit einer Demo Druck gemacht hatte. Richtig gebremst wurde das Projekt dann durch die Deutsche Bahn: Für ein neues elektronisches Stellwerk brauchte sie kurzfristig eine Fläche direkt neben der geplanten Baustelle, was den Ankauf des benötigten Grundstücks verzögerte und die Fertigstellung von ursprünglich Juli 2026 auf später verschob (Neustadt-Geflüster vom 15. Dezember 2025). Im April dieses Jahres begannen immerhin die vorbereitenden Umbauarbeiten am Schlesischen Platz selbst. Stellplätze, Verkehrsinseln und Entwässerung mussten für das künftige Gebäude angepasst werden (Neustadt-Geflüster vom 7. April 2026).
Was das Parkhaus bieten soll
Auf dem Gelände unterhalb des früheren Standorts der Autovermietung Europcar entsteht ein Holzbau, der sich mit einem eigenen Beleuchtungskonzept ins Ensemble des denkmalgeschützten Bahnhofs einfügen soll. Neben regulären Stellplätzen gibt es Lademöglichkeiten für E-Bikes und Pedelecs, Flächen für Liege- und Lastenräder sowie Einzelboxen für besonders wertvolle Räder und Schließfächer für persönliche Gegenstände. Zugang bekommen nur registrierte Nutzer*innen. Ein Betreiber wird derzeit gesucht, wobei laut Kühn sowohl städtische Betriebe als auch private Unternehmen in Betracht kommen; die Stadt will die Anlage noch bis Ende des Jahres ausschreiben.
Geplant ist ein Buchungssystem, das künftig mit anderen Dresdner Fahrradparkhäusern kompatibel sein soll, damit Nutzer*innen nicht für jeden Standort eine eigene App brauchen. Was die Nutzung kosten soll, steht erst mit dem Betreiber des Parkhauses fest. Zur Orientierung verwies Piechotta auf das ebenfalls geplante Fahrradparkhaus in Leipzig, für das eine Tageskarte etwa einen Euro kosten soll, eine Monatskarte rund zehn Euro und eine Jahreskarte etwa 99 Euro.

Die Kosten und die Finanzierung
Rund vier Millionen Euro soll das Parkhaus kosten, 2,4 Millionen Euro davon übernimmt der Bund über das Förderprogramm „Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen“. Den städtischen Eigenanteil finanziert Dresden komplett aus Stellplatzablösemitteln, sodass der reguläre Haushalt unangetastet bleibt. Das sind Gebühren, die Bauherren zahlen müssen, wenn sie die für ihr Vorhaben vorgeschriebenen Parkplätze nicht nachweisen können oder wollen. Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) dankte beim Spatenstich ausdrücklich Paula Piechotta (Grüne, MdB) und Torsten Herbst (FDP, MdB a.D) für ihren Einsatz bei der Fördermittelakquise. Piechotta selbst untermauerte den Bedarf mit Zahlen: Allein 2025 seien in Dresden rund 3.600 Fahrräder gestohlen worden, aufgeklärt worden sei nur jeder zehnte Fall.
Bis zum Frühjahr 2027 sollen die Rohbauarbeiten abgeschlossen sein, anschließend folgt der Innenausbau. Fertig sein soll das Fahrradparkhaus dann bis Ende 2027.























Sehr gut. Jedoch leider hat niemand daran gedacht, wo denn während der Bauphase die ganzen Fahrräder hin sollen, die auf der Fläche des jetzigen Baufelds standen… die stehen nun Kreuz und quer auf dem Platz ohne sichere Möglichkeiten zum Anschließen.
Mobile Ständermodule o.ä. wären ein Zeichen gewesen, dass man auch hier ganzheitlich mitdenkt und den Bedarf nicht wieder ignoriert.
Ich wiederhole mich gern: Könnte bitte das Ordnungsamt oder ein anderes zuständige Amt dafür sorgen, dass alle 2 Monate alle Fahrradleichen entsorgt werden. Früher gabs mal orange Aufkleber mit Frist. Wenn zwischen den nicht mehr genutzten Fahrrädern mannshohe Birken wachsen, ist die letzte Aufräumaktion lange her. Wenn das regelmäßig gemacht würde, braucht bräuchten wir keinen Parkhaus, dann würden die vorhandenen Fahrradständer reichen.
Persönlich finde ich es übrigens total rücksichtslos und auch das Gegenteil von nachhaltig, wenn Leute ihre alten Fahrräder einfach dort vergammeln lassen. Und das sind KEINE Einzelfälle!
Macht der ADFC eigentlich auch noch was anderes als Forderungen zu stellen, z.B. sowas wie Verkehrserziehung oder so? Ich war vor Jahren mal in dem Büro um zu fragen, ob sie vielleicht mal eine Aktion machen könnten, um die Leute über die Risiken zu informieren, wenn man ohne Licht fährt, oder beim Einstellen der vorderen Lampe behilflich zu sein, die bei gefühlt jedem dritten Fahrrad dem gegenüber direkt ins Gesicht leuchtet und anstatt auf den Weg. Da haben die mich angeguckt als ob ich von einem anderen Stern bin.
Das hat der ADAC irgendwie besser drauf, die vertreten zwar auch vornehmlich die Interessen ihrer Autofahrer (die ich so meist nicht unterstützen würde), man hat aber trotzdem den Eindruck, dass sie auch daran interessiert sind, ihre Mitglieder über Gefahren und Risiken zu informieren und zumindest Vorschläge für rücksichtsvollere Verhaltensweisen zu machen.
Vom ADFC habe ich so etwas noch nie gesehen. Hat jemand positive Beispiele?
@Bike+Bahn
Guter Hinweis, Platz als Ausweichfläche für die Bauzeit wäre zudem ausreichend vorhanden.
Zudem fände ich es auch gut, wenn der Parkplatz und somit die Zufahrt zum neuen Fahrradparkhaus erneuert wird. Das Kopfsteinpflaster mag historisch sein und ohne es nachlesen zu wollen, liegt es sicher aus Denkmalschutz-Gründen dort. Für eine sichere Zufahrt mit dem Rad ist es jedoch nicht zuträglich. Selbst zu Fuß bei schlechtem Wetter oder im Rollstuhl ist das Pflaster nicht optimal. Vom Rollkoffer auf dem Weg zum Zug ganz zu schweigen.
Da hast du völlig Recht Bike+Bahn!
Eine Entrümpelung der anderen Fahrradständer wäre auch eine sinnvolle Ergänzung gewesen. Am Fahrradständer direkt vor dem Bahnhof wächst ein Baum durch ein Fahrrad… zurzeit ist es eine echte Herausforderung sein Rad sicher anzuschließen.
Nicht nur der Verbleib von parkenden Fahrrädern während der Bauphase wurde ignoriert, auch Fußgänger finden so gar keine Beachtung auf diesem Bahnhofsvorplatz.
Schön, daß es ein Fahrrad-Parkhaus geben wird, es wäre eine Gelegenheit gewesen, den gesamten Platz neu zu ‚organisieren‘ … Barrierefreiheit, Fußgänger…. naja, Dresden eben.
Ich frage mich ebenfalls, ob mal „jemand“ die ganzen Radleichen entsorgt, welche in den Ständern stehen. Dann bräuchte es das Fahrradhaus ggf gar nich.
Fände es besser, wenn das neue Fahrradparkhaus kostenfrei zugänglich wäre. Einziger Vorteil der Kostenpflicht könnte evtl. zusätzliche Sicherheit vor Diebstahl und ggf. weniger Dauerparker/vergessene Fahrräder im Innenraum sein.
@fahrrad: Genau genommen ist das nicht der einzige Vorteil sondern mehrere und vor allem die entscheidenden Vorteile: viel weniger Dauerparker, viel weniger Fahrradleichen und höherer Schutz. Dafür kann man auch was zahlen.
Derzeit habe ich extra ein altes Bahnhofs-Bike, weil man nie weiß, was davon noch da ist, wenn man ein paar Tage später von der Dienstreise kommt.