In der Hoyerswerdaer Straße 31 leben Menschen zwischen 30 und 65 Jahren, einige seit Jahrzehnten. Jetzt steht die Frage im Raum, ob sie bleiben können. Das denkmalgeschützte Miethaus soll verkauft werden, und die Hausgemeinschaft will es gemeinsam mit der selbstverwalteten Wohnungsgenossenschaft Wohnen Gestalten Dresden eG (WoGe) kaufen.

Wenn der Eigentümer wechseln sollte
Was ein Verkauf bedeuten könnte, lässt sich am Mansardgeschoss besichtigen: Der jetzige Eigentümer hatte es bereits für einen Dachausbau entkernen lassen. Auch Balkone waren geplant, erzählt Kathrin, die selbst im Haus wohnt. Die Hausgemeinschaft habe dem widersprochen, weil die Konstruktion nicht komplett durchdacht gewesen wäre. Die Sorge der Hausgemeinschaft: steigende Mieten, Modernisierungen nach den Regeln des freien Marktes und am Ende die Verdrängung derjenigen, die teils seit Jahrzehnten hier leben. „Wir wollen nicht passiv abwarten, sondern unser Zuhause selbst sichern“, sagt Jörg Eichler, der seit 25 Jahren im Haus wohnt.
Vorbild Louisenstraße 85
Die WoGe hat so ein Projekt schon einmal umgesetzt: Anfang des Jahres kaufte sie mit dem Haus Louisenstraße 85 ihr erstes Objekt dieser Art. Die Hoy31 wäre deutlich größer, mit Wohnetagen mit bis zu 200 Quadratmetern und zwei Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss, in denen unter anderem ein seit drei Generationen ansässiger Friseursalon und der Verein Endmoräne e. V. ihren Platz haben. Anders als bei der Louisenstraße war die Hausgemeinschaft hier vorher nicht als Verein organisiert. Die Selbstverwaltung muss erst noch wachsen. Basisdemokratisch soll sie trotzdem werden: Anders als bei klassischen Genossenschaften entscheiden bei der WoGe die Menschen im jeweiligen Haus selbst über Sanierung, Barrierefreiheit oder die Nutzung gemeinsamer Flächen.

Sechsstelliger Betrag und ein enger Zeitplan
Der Kaufpreis liegt weit über einer Million Euro, orientiert am ortsüblichen Markt. Finanziert werden soll er größtenteils über einen Bankkredit, doch für den Eigenanteil von 30 bis 40 Prozent braucht die Genossenschaft Unterstützer:innen. Die Summe können die Bewohner:innen allein nicht aufbringen. Wer helfen möchte, kann für 100 Euro Mitglied der WoGe werden und Anteile zeichnen oder ihr ein Darlehen geben, ganz ohne Aussicht auf Rendite. „Solange die Politik uns keine günstigen Finanzierungsmöglichkeiten für gemeinnützige Wohnprojekte dieser Art bereitstellt, bleiben wir auf die Unterstützung durch investierende Mitglieder angewiesen“, sagt Dr. Johannes Feldbauer, Vorstand der WoGe. Auch für die geplanten Sanierungen – Brandschutz, eine neue Heizung und der Ausbau des Mansardgeschosses – ist ein sechsstelliger Betrag nötig, weshalb vorerst nur das Nötigste angegangen werden soll.
Eng ist vor allem der Zeitplan: Bis Ende Oktober oder November soll die Finanzierung stehen, sonst drohe der Verkauf an andere Investor:innen. Was das für die Hausgemeinschaft bedeuten würde, bringt Kathrin auf den Punkt: Man würde dann „auf einer Fremdbaustelle wohnen“, mit der Angst, am Ende doch noch aus dem eigenen Zuhause verdrängt zu werden.
Tag der offenen Tür
Wer sich selbst ein Bild von der Hoy31 machen und die Hausgemeinschaft kennenlernen möchte, kann das am 27. September ab 16 Uhr direkt vor Ort tun: Zum Haus- und Hoffest lädt die Hausgemeinschaft Unterstützer:innen, Presse und Lokalpolitik ein.

Haus- und Hoffest der Hoy31
- Sonntag, den 27. September, ab 16 Uhr
- Hoyerswerdaer Straße 31, 01099 Dresden
- Mehr Infos zum Projekt






















Ich bin im Prinzip ein Befürworter des Genossenschaftsprinzips. Das ist meiner Meinung nach auch das Instrument einer gemeinschaftsverträglichen Zukunft.
Ich verstehe es im vorliegenden Fall aber nicht und es müsste klar erläutert werden. Bisher stellt es sich für mich so dar, dass hier die Kapitaldecke der Mieter wirklich sehr dünn ist. Man soll dann für 100,- € Mitglied werden, damit die Genossenschaft dann einen Kredit über sagen wir 600.000,- € aufnehmen kann, für den man dann als 100,- € Mitglied ohne jede Rechte bei Ausfall mithaften darf? Oder wie ist das gedacht?
oh ich würde mich freuen, wenn es funktioniert. diese eigentumsform ist leider unterrepräsentiert in der neustadt.
Wenn ich in Immobilien investieren will, dann suche ich mir einen Fonds oder Aktien eines Immobilienunternehmens mit entsprechender Renditeerwartung. Der Kauf einer Eigentumswohnung wäre auch eine Option. Aber Geld verschenken, damit einige günstiger Mietwohnen als andere? Zudem: Was soll „Modernisierungen nach den Regeln des freien Marktes“ sein? Eine Modernisierung ist eine Verbesserung, das wollen doch alle, die in Wohnungen mit Altstandart wohnen. Und dann wird noch von „gemeinnützigen Wohnprojekten“ gesprochen. Hat aber mit diesem Haus nichts zu tun. Hier geht es nur um den Erhalt der günstigen Mietwohnsituation einiger weniger Personen.
@Alles wird gut
Du hast da eine grundlegende Sache nicht verstanden. Es geht eben gerade darum, eine Immobilie dieser Spekulation zu entziehen und in kollektives Eigentum umzuwandeln. „Fonds oder Aktien“ sind das Gegenteil von dem, was hier Ziel ist. Von „Geld verschenken“ steht da auch nichts. Es geht um das Erwerben von Genossenschaftsanteilen (die mit 0,5% verzinst werden, wenn die Genossenschaft Gewinn erwirtschaftet).
Es steht dir doch frei, dieses Projekt gut oder schlecht zu finden. Mensch könnte auch erwarten, dass der Staat sich im Rahmen der Daseinsvorsorge um bezahlbaren Wohnraum kümmert. Das hier ist halt ein anderer Ansatz. Aber sich kurz mit dem Thema zu beschäftigen, bevor mensch hier seinen Senf dazu gibt, ist wirklich nicht zu viel verlangt. Vielleicht beschäftigst du dich noch mal kurz mit Vergenossenschaftung und speziell mit der WoGe (die Links sind im Text), dann ersparst du dir und uns zukünftig derartige Peinlichkeiten.
@Rosel
Soweit ich weiß, haften Genossenschaftsmitglieder in Höhe ihrer Genossenschaftsanteile. Nachschusspflichten müssten in der Satzung benannt sein (§ 6 GenG). Im Falle einer Insolvenz haben Mitglieder aber keine Vorrang gegenüber externen Gläubiger*innen sondern können ihre Anteile nur zurückfordern, wenn nach Begleichung aller Verbindlichkeiten noch Vermögen übrig bleibt.
Bei der WoGe hast du als Fördermitglied zwar in der Generalversammlung kein Stimmrecht, „kannst aber Teil eines Förderbeirats mit Rechten auf Information und Stellungnahmen sein.“ (Satzung: https://woge-dresden.de/wp-content/uploads/2020/05/woge-satzung-online.pdf)
@Spatz: Wieso ist (Wohn-)Eigentum per se Sepkulation? Und wenn in diesem Fall etwas entzogen wird, dann das Haus/die Wohnungen dem Mietmarkt. Eigentlich ist das angedachte Modell die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen (denn nur die Hauptgenossenschaftler können und dürfen da wohnen/preudomieten). Der Besitz von Aktien eines Wohnbau- bzw. Vermietungsunternehmen ist auch nur eine Art des Streibesitzes. Aber ohne Mietanrecht. Dafür aber als Finanzierung für den Neubau von Wohnimmobilien. Und der linke Schlachruf vom „bezahlbaren Wohnraum“ ist schon lächerlich, denn wenn die derzeit bewohnten Wohnungen nicht bezahlbar wären, würden sie leer stehen.
Es gibt kein Menschenrecht auf auf preiswertes bzw. kostenloses Wohnen in angesagten Vierteln von Großstädten. Im Erzgebirgskreis stehen 19% aller Mietwohnungen leer. Ansonsten denke mal an Deine Mutti. Sie würde Deine Art der Foristenbeschimpfung bestimmt mit Stubenarrest (im Erzgebirge) bestrafen.
Wenn ich Genossenschaftsanteile einzahle, dann habe ich zur Not einen BackUp für eine Mietwohnung (wie bei den Wohnungsbaugenossenschaften) im Alter/ Notfall etc. Bei TeilAuto finde ich das ebenso sinnvoll, da für alle / viele da und gutes Projekt. Hier verstehe ich die Idee eher so: Ich will noch weitere 25 Jahre da wohnen und wenig Miete zahlen. Wie kann ich das umsetzen?: mit pseudolinken Statements und plumper Kapitalismuskritik. Das ist natürlich verkürzt von meiner Seite. Wer soll dem Verein beitreten? Ich sehe das nicht kommen.
@ alles wird gut
Das von Ihnen geschriebene ist so absurd und abgehoben, dass ich davon überzeugt bin, selbst eine ausführliche Antwort nichts zu Ihrem Verständnis bei.
Falls Sie es sich eines Tages fragen sollten -ja, es ist ihre Haltung die sie zu einem unangenehmen Mensch macht.
@AWG
„Wieso ist (Wohn-)Eigentum per se Sepkulation?“ [sic] Hab ich nicht geschrieben, sondern: „eine Immobilie dieser Spekulation zu entziehen und in kollektives Eigentum umzuwandeln“. Das bezieht sich direkt auf dein: „dann suche ich mir einen Fonds oder Aktien eines Immobilienunternehmens mit entsprechender Renditeerwartung“ und das ist Spekulation. Du setzt also diese zwei Dinge gleich, nicht ich.
„Eigentlich ist das angedachte Modell die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen“. Nope, ist es nicht (wie geschrieben: beschäftige dich mit Genossenschaften, sonst wird das Taubenschach).
Dein „denn nur die Hauptgenossenschaftler können und dürfen da wohnen/preudomieten“ [sic] macht als Kriterium auch überhaupt keinen Sinn, denn nach dir müsste diese Aussage auch für „Eigentumswohnungen“ gelten – tut sie aber nicht.
„… ist auch nur eine Art des Streibesitzes“ Ich nehme an, du meinst Streubesitz? Wenn du dich auf free float beziehst, möchte ich dir Widersprechen. Gerade da besteht im Vergleich zur Genossenschaft eben kein langfristiges strategisches Einflussinteresse (siehe Förderbeirat).
„Und der linke Schlachruf vom „bezahlbaren Wohnraum“…“ [sic] Naja, ist nun wirklich alles andere als ein linker Schlachtruf (siehe hier: https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/wohnen/buendnis-bilanz-2024.pdf?__blob=publicationFile&v=1).
„… ist schon lächerlich, denn wenn die derzeit bewohnten Wohnungen nicht bezahlbar wären, würden sie leer stehen.“ Bitte lies den Text noch mal. Es geht eben nicht darum, wie es „derzeit“ aussieht. Darüber hinaus ist „bezahlbar“ hier relativ und nicht absolut. Du hast also die Torpfosten verschoben.
„Es gibt kein Menschenrecht auf auf preiswertes bzw. kostenloses Wohnen in angesagten Vierteln von Großstädten.“ Also von „preiswert bzw. kostenlos“ hast wieder nur du geschrieben. Wenn du auf meine Argumente eingehen willst, empfehle ich dir, auf MEINE Argumente einzugehen und dir nicht irgendwelchen Mist auszudenken, an dem du dich dann abarbeitest. Also wenn du weiter ernst genommen werden möchtest.
Und ich beschimpfe nicht, ich beschreibe*. Scheint aber getroffen zu haben, sonst würdest du dir so „Altherrensprüche“ klemmen ;-)
*sämtliche-sich-anbietenden-Deine-Mudda-Witze-unter-maximalem-Kraftaufwand-ignorierend
Meine Erfahrungen mit Genossenschaften sind generell schlecht. Ich hatte Anteile and Greenpeace Energy sowie geerbte an der Sparda-Bank Hessen. Die Genossenschaften kamen mir vor wie die DDR:
– Ein paar im Hinterzimmer ausgeklüngelte Leute halten die Macht
– Ich darf dazu Ja-sagen, sonst nicht viel
– Ich kann nicht in einfacher Weise raus
Von der Kündigung bis ich finanziell draußen war dauerte es bei GP Energy schlappe 3 Jahre, bei der Sparda Bank 1,5 Jahre. Schließlich habe ich gemerkt: Jede Aktiengesellschaft ist demokratischer. Da wirst Du 1x pro Jahr eingeladen, darfst abstimmen, und wenn Dir der Laden nicht mehr paßt, verkaufst Du die Anteile mit ein paar Mausklicks. Genossenschaft hört sich toll an, so solidarisch, anti-kapitalistisch, dieses „wir wuppen das gemeinsam“, aber am Ende wird dadurch nichts besser und billiger. Lieber eine Baugemeinschaft mit anschließender, klar geregelter Vergabe von Eigentumsanteilen gründen.
es lebe die vielfalt der eigentumsformen und damit ist schon fast alles gesagt und genossenschaften gibt es nun mal kaum in der neustadt. deshalb viel erfolg.
@Spatz
Bei den Eigentumswohnungen haben Sie recht – Eigentümerin wäre die Genossenschaft. Festhalten lässt sich doch aber: Die Bewohner möchten ein Haus zum Marktpreis kaufen, können das notwendige Eigenkapital aber nicht selbst aufbringen. Also sollen Außenstehende Kapital bereitstellen, sich mit überschaubarer Verzinsung begnügen und dafür sorgen, dass eine bereits feststehende Gruppe ihre Wohnsituation langfristig sichern kann. Kann man machen, nur wird daraus nicht automatisch „Daseinsvorsorge“, weil man „kollektiv“ davor schreibt.
Eine einzige zusätzliche Wohnung entsteht durch den Eigentümerwechsel zunächst übrigens auch nicht. Zins, Tilgung, Sanierung und Instandhaltung verschwinden ebenfalls nicht auf wundersame Weise, nur weil statt eines privaten Eigentümers eine Genossenschaft im Grundbuch steht.
Und nein: Eine Immobilie, Aktie oder ein Fonds mit Renditeerwartung ist nicht automatisch „Spekulation“, genauso wenig wie eine Genossenschaft automatisch gemeinnützig ist.
Man darf fragen, warum Außenstehende ihr Kapital einsetzen sollen, um ausgerechnet dieser kleinen Gruppe günstiges Wohnen in begehrter Lage zu sichern. Hierzu lieferte @DSR einige gute Hinweise aus eigener Erfahrung. Im Übrigen ist [sic] hinter Tippfehler zu schreiben nicht weniger anstrengend als Taubenschach.
Manche betreiben hier echte Scheindiskussionen. Der große Unterschied ist doch, dass eine Genossenschaft keine Gewinnerziehlungsabsicht hat und schon das hat einen großen Einfluss vor allen Dingen langfristig. Und ja warum sollte man nicht ein Projekt auch mit einer eher symbolischen Rendite unterstützen? Es gibt doch noch ganz andere Beispiele. Ich nenne nur einmal die ganze Growdfunding Szene.
@Luke Brower
„Festhalten lässt sich doch aber:…“ Brauchst du nicht festhalten, das steht oben so im Text.
„Kann man machen, nur wird daraus nicht automatisch „Daseinsvorsorge“, weil man „kollektiv“ davor schreibt.“ Jo, stimmt. Hab ich auch nirgends geschrieben. Ließ bitte noch mal in meinem Kommentar nach: „der Staat sich im Rahmen der Daseinsvorsorge …“.
„Eine einzige zusätzliche Wohnung entsteht durch den Eigentümerwechsel zunächst übrigens auch nicht.“ Waaaas? Duplizieren die sich nicht?
„Zins, Tilgung, Sanierung und Instandhaltung verschwinden ebenfalls nicht auf wundersame Weise, nur weil statt eines privaten Eigentümers eine Genossenschaft im Grundbuch steht.“ Verrückt, hätte sich eine Dachgenossenschaft wie die WoGe doch nur darum Gedanken gemacht. Moment … hold my Domaine Leroy Chambertin Grand Cru!
Da steht doch was: https://woge-dresden.de/finanzierung-der-haeuser/
Und damit nicht genug, die WoGe berät sogar genau dazu die Menschen vor Ort.
„Und nein: Eine Immobilie, Aktie oder ein Fonds mit Renditeerwartung ist nicht automatisch „Spekulation““ Nunja, Spekulation wird hier (weil wirtschaftlicher Bezug) wertneutral verwendet. Und eine Anlagestrategie mit dem Ziel der Gewinnerziehung, die mit Risiko verbunden ist und über Zeit geht (wie von AWG beschrieben) ist Spekulation. Die Unterschiede zu Buy-and-Hold, Hedging oder Arbitrage sind dir bekannt?
„Man darf fragen, warum Außenstehende ihr Kapital einsetzen sollen, um ausgerechnet dieser kleinen Gruppe günstiges Wohnen in begehrter Lage zu sichern.“ Jupp, kann mensch fragen …. oder den Text oben lesen: „„Solange die Politik uns keine günstigen Finanzierungsmöglichkeiten für gemeinnützige Wohnprojekte dieser Art bereitstellt, bleiben wir auf die Unterstützung durch investierende Mitglieder angewiesen““
„Im Übrigen ist [sic] hinter Tippfehler zu schreiben nicht weniger anstrengend als Taubenschach.“ Ok, aber das musst du doch auch nicht. Niemand zwingt dich dazu.
Woher kommt nun die Wohnungsnot? Wie entstand sie? Herr Sax darf als guter Bourgeois nicht wissen, daß sie ein notwendiges Erzeugnis der bürgerlichen Gesellschaftsform ist; daß eine Gesellschaft nicht ohne Wohnungsnot bestehen kann, in der die große arbeitende Masse auf Arbeitslohn, also auf die zu ihrer Existenz und Fortpflanzung notwendige Summe von Lebensmitteln, ausschließlich angewiesen ist; in der fortwährend neue Verbesserungen der Maschinerie usw. Massen von Arbeitern außer Arbeit setzen; in der heftige, regelmäßig wiederkehrende industrielle Schwankungen einerseits das Vorhandensein einer zahlreichen Reservearmee von unbeschäftigten Arbeitern bedingen, andrerseits zeitweilig die große Masse der Arbeiter arbeitslos auf die Straße treiben; in der Arbeiter massenhaft in den großen Städten zusammengedrängt werden, und zwar rascher, als unter den bestehenden Verhältnissen Wohnungen für sie entstehn, in der also für die infamsten Schweineställe sich immer Mieter finden müssen; in der endlich der Hausbesitzer, in seiner Eigenschaft als Kapitalist, nicht nur das Recht, sondern, vermöge der Konkurrenz, auch gewissermaßen die Pflicht hat, aus seinem Hauseigentum rücksichtslos die höchsten Mietpreise herauszuschlagen. In einer solchen Gesellschaft ist die Wohnungsnot kein Zufall, sie ist eine notwendige Institution, sie kann mitsamt ihren Rückwirkungen auf die Gesundheit usw. nur beseitigt werden, wenn die ganze Gesellschaftsordnung, der sie entspringt, von Grund aus umgewälzt wird.
https://cloud-cuckoo.net/openarchive/Autoren/Engels/Engels1872.htm
@versteher… eine genossenschaft ist ein zusammenschluss von Personen zum gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb… warum ist da keine Gewinnerzielungsabsicht? Das Eigentum der Genossenschaft gehört den Mitgliedern nach Anteilen.. nach Auflösung gehen Gewinne wieder an die Mitglieder.. anders als bei Vereinen.
Ich wünsche der Truppe Erfolg und empfehle hier alle Möglichkeiten der Kapitalbildung der einzelnem Mitglieder auszuschöpfen…je nach Kapitaleinlage können ja auch höhere Anteile gezeichnet werden.. !! In einer Genossenschaft herrscht nicht automatisch der Sozialismus. Schaut Euch die Satzung ordentlich an, nach diesen Regeln wird gespielt.
Das andere gute Modell ist die Baugemeinschaft mit anschliessender Aufteilung in Eigentumswohnung. „Die Häuser denen, die die darin wohnen“…Man wächst mit der Verantwortung.
@seldon – wie passt da nun Ihre Definition zu der Wohnungsnot im sozialistischen Arbeiterstaat DDR?
Im real existierenden Sozialismus wurde das Problem des Mangels an Wohnraum lediglich per Definition gelöst.
Auch nach 40 Jahren real existierenden Sozalismus konnte das Angebot mit der Nachfrage nicht im entferntesten Schritt halten. In der Äußeren Neustadt lebten damals viele junge Menschen ( u.a. Studenten ) in Abrisshäusern, die sie sich provisorisch herrichteten.
Kaufen Sie sich doch mal einen Bildband über die Äußere Neustadt um 1989 und vergleichen Sie die Wohnungssituation im Sozialismus und Kapitalismus.
Damals habe ich mich um eine ältere Frau auf der Johann-Meyer-Str. gekümmert, deren Außentoilette zusammengebrochen war und die in ihrer Wohnung einen Eimer nutzte.
Ihre linken Zitate und Argumentation empfinde ich zunehmend erbärmlich und weltfremd.
Hallo Nikki, schaut man sich die 80er im goldenen Westen so an, sah es dort kaum anders aus: https://m.youtube.com/watch?v=VHv7vnl7BWI
Hinzu kommen die sozialen Probleme, die es in der DDR eben nicht gab. Schauen sie doch mal paar Filme aus den 80ern, die bspw im Ruhrpott spielen…
Wohnen war nicht abhängig vom Geldbeutel, Obdachlose gab es nicht. Ja, die Wohnsituation war teils schwierig. In der DDR wurde die Wohnungsfrage zum öffentlichen Auftrag: Boden und Wohnraum sollten sich nicht länger nach privaten Verwertungsinteressen richten, sondern nach den Bedürfnissen der Bevölkerung. Bodenreform, Enteignungen und staatliche Planung schufen hierfür die Voraussetzungen. Die im September von der Internationalen Forschungsstelle DDR publizierte Studie »Wohnen für alle, Bauen nach Plan« widmet sich der Frage, ob tatsächlich, wie von Engels behauptet, die »Abschaffung der kapitalistischen Produktionsweise (…) zugleich die Lösung der Wohnungsfrage möglich« machte. Anders als im Kapitalismus entschieden nicht Markt- oder Kapitalinteressen darüber, was und wie gebaut wurde, sondern der lokal ermittelte Bedarf im Abgleich mit den nationalen Ressourcen. Dass der zentralen Planung dabei ein Prozess von unten nach oben zugrunde lag, ergänzt von einer durch die SPK vermittelten Verfügbarkeit, wird in heutigen Darstellungen der Planwirtschaft häufig außer acht gelassen. In der DDR standen alle Instrumente der Wohnpolitik unter staatlicher Lenkung. Widersprüchliche Interessen – wie heute von Grundbesitzern, Investoren, Spekulanten, Vermietern, Baufirmen – wurden überwunden.Entscheidend zum Verständnis der Baukultur der DDR ist, dass Stadtplanung, Architektur und Wohnen nicht mehr als getrennte Bereiche begriffen wurden. Statt dessen sollten sie als eine hierarchische Einheit verstanden werden: Wohnraum, Wohnung, Wohnhaus, Wohngebiet, Stadt und Siedlungsraum.¹⁵ Diese großflächige und weitsichtige Planung war möglich, weil das Privateigentum seine dominante Rolle verlor. Anders als heute musste die öffentliche Stadtplanung nicht mit privaten Interessen um städtische Flächen konkurrieren. Kaufhäuser und Luxusvillen wurden nicht gegen gesellschaftliche Bedürfnisse z. B. nach Grünflächen, ÖPNV und soziokulturellen Einrichtungen errichtet. Statt dessen konnte ganzheitlich geplant und gebaut werden.
Das es hier wirtschaftliche Probleme gab, Kriegsschäden, Reparationen, westliche Sanktionen, politische Fehler…steht auf einem anderen Blatt.
hey seldon, überall im osten klaften anspruch und realität so weit auseinander, mit der folge, dass der sogenannte „sozialismus“ unterging. einen grossen teil des widerstandes in der ddr hat sich aus der komplett verfehlden wohnungspolitik ergeben. ein paar jahre länger und die äussere neustadt wäre abegrissen worden. die schönen ideen, die sie beschreiben haben leider nicht funktioniert.
@echt ja sie haben recht, die gewinnerziehlungsabsicht ist auch bei einer genossenschaft möglich, steht aber im allgemeinen nicht im vordergrund und ist gemeinschaftlich. privater gewinn lässt sich viel besser mit eigentumswohnungen praktizieren und wird deshlab auch meistens gewählt.
@Versteher: „Der große Unterschied ist doch, dass eine Genossenschaft keine Gewinnerziehlungsabsicht hat..“ – Eine Baugemeinschaft hat auch keine Gewinnerzielungsabsicht. Es geht rein um die Organisation, und wer das Sagen hat.
Mein Eindruck: Bei einer AG oder einer WEG kannst Du Pech haben, und irgendwer bestimmt dank Mehrheit einfach alles, Du bist nur noch Zustimmungsvieh. Bei einer Genossenschaft ist das schon so angelegt.
Ich hatte mich übrigens vor Ewigkeit für eine ETW auf der Böhmischen Straße interessiert und der Mensch sagte mir, man habe auch als Genossenschaft (oder so ähnlich) begonnen, das ganze dann aber nach einigen Jahren reumütig in einer Eigentümergemeinschaft überführt. Die Struktur ist einfach sinnvoller, wenn Leute rauswollen, nicht zahlen können, Konflikte entstehen etc… Mittlerweile habe ich selbst (geerbt) eine vermietete ETW in kleiner Gemeinschaft, und das läuft gut und demokratisch ab.
@Spatz: Dein Hinweis auf die WoGe in allen Ehren, aber das heißt es auch: „Bei Genossenschaftsanteilen handelt es sich um Einlagen in die WoGe Dresden eG, die nach Kündigung der Mitgliedschaft zurückgezahlt werden.“
Die Frage ist bloß, wann. Darüber habe ich mir bei GreenpeaceEnergy damals auch wenig Gedanken gemacht. Ursprünglich war die Frist 8 Monate zum Ende des Geschäftsjahres. Daraus wurden stillschweigend irgendwann 2 Jahre. In der Praxis sah das so aus: Gekündigt Ende Mai 2021, Frist Ende 2023, Geld erhalten Ende Juni 2024. Ähnlich die Sparda-Bank. Erbfall Januar 2024, die Anteile erhielt ich Ende Juni 2025.
Dieser bei Genossenschaften üblichen Praktiken sollte sich jeder bewußt sein. In meinem Fall waren es keine Riesensummen, aber mit einer Wohnung würde ich das nicht wollen. Ein Verkauf ist so schon kompliziert genug.
@seldon: „Woher kommt nun die Wohnungsnot? Wie entstand sie?“
Das ist einfach, da man Wohnung nicht bauen kann wie Autos oder Smartphones, hängt sie im wesentlichen von der Nachfrage ab. Ende 90er kam der Makler und sagte: „Natürlich ist für Sie frei, frisch renoviert und die ersten 2 Monate wohnen Sie kostenlos.“ Mitte der 2000er kaufte ein Freund eine sanierte Villa mit 360qm in bester Lage in Striesen für weniger als 500000 Euro. Schlechte Lagen wie die Stern-Häuser in Prohlis wurden zur Geisterstadt und 2011 mangels Belegung abgerissen.
Damals schrumpfte die Bevölkerung, heute wächst sie (und Geld druckt man auch noch).
@Seldon: „die 80er im goldenen Westen“…. – Durfte ich als gelernter Wessi einer mittelmäßigen Mittelstandsfamilie erleben, und unsere Wohnsituation war besser als alles, was ich so von den größtenteils aus Akademikerfamilien stammende Freunden hören durfte. Von Auto und Urlaub ganz zu schweigen. Und Verhältnisse wie in Harlem gab es im Westdeutschland der 80er nicht.
Nach meinen Zuzug hierher durfte ich dann noch 10 Jahre unsanierten Altbau genießen. War lustig, billig, aber letztlich lebten wir auf Abriß, bis es halt gar nicht mehr ging.
Nachtrag: „was ich so von den größtenteils aus Akademikerfamilien stammende Freunden hören durfte.“ – Ich meinte natürlich, von Freunden, die ich im Osten kennenlernte und die in der DDR aufwuchsen.
@seldon: wir wollen mal nicht übersehen, dass die beschriebene heile Welt überwunden wurde. Eben auch die damit verbundenen politischen Fehler! Wie lange wohnst Du schon in Prohlis, wo „Stadtplanung, Architektur und Wohnen nicht mehr als getrennte Bereiche begriffen wurden“..? …;-)
Danke @Seldon!
Hier gibt’s nen interessanten Beitrag von Michael Brie zu Engels Artikelserie „Zur Wohnungsfrage“ aus heutiger Perspektive (https://www.rosalux.de/fileadmin/images/Dossiers/Wohnen/Broschur_Engels_und_die_Wohnungsfrage_Web.pdf).
Zitat daraus: „Friedrich Engels hat es nicht verdient, dass man ihn missbraucht, um fertige Antworten zu finden. Aber er hat es verdient, wieder neu gelesen zu werden. Wie Marx hatte auch der junge Engels seinen kategorischen Imperativ, der sein Leben bestimmte: „Der Mensch hat sich nur selbst zu erkennen, alle Lebensverhältnisse an sich selbst zu messen, nach seinem Wesen zu beurteilen, die Welt nach den Forderungen seiner Natur wahrhaft menschlich einzurichten, so hat er das Rätsel unserer Zeit gelöst.“ (Engels 1844: 546)“
@DSR
„Dieser bei Genossenschaften üblichen Praktiken sollte sich jeder bewußt sein.“
Da bin ich bei dir. Ich will hier auch keine Lanze für die WoGe brechen, da ist mir das Mietshäuser Syndikat (andere Rechtsform) wesentlich näher. Ich kenne allerdings die Abläufe ein wenig und konnte sowohl Beratungen als auch anderen Projektvorstellungen (Molli) beiwohnen und habe dabei die kritische und transparente Atmosphäre sehr geschätzt. Die WoGe legte großen Wert auf das Verstehen und Bewusstmachen dieser „Sollbruchstellen“. Der in meinen Augen kritischste Punkt ist, die Langfristigkeit, mit der sich festgelegt wird bzw. die Frage, wer auf welche Art und Weise die eigenen Verbindlichkeiten übernimmt, falls ein Auszug notwendig wird.
@Seldon
Also ich bin in der späten DDR geboren und so auch Familie/Eltern und Freundeskreis. u.a. auch Bauing./Architekten/Krankenschwester und Prohlis BewohnerInnen. Die DDR die sie beschreiben, kenne ich so gar nicht. Putzig.
hier noch einmal der unterschied bei der eigentumswohnung, die kann ich frei verkaufen ohne rücksprache mit den miteigentümern und natürlich auch individuell damit meinen gewinn maximieren. bei der genossenschaft bin miteigentümer am ganzen, da sind die grenzen viel enger, da ich maximal meine miteigentumsanteile verkaufen kann und in vielen fällen die genossenschaft ein mitspracherecht hat.
ich kenne viele projekte bei denen sich gemeinschaftliches eigentum bewährt hat. die böhmische strasse ist da ein schon fast tragisches gegenbeispiel.