Mit reichlich Interesse, etlichen Bauleuten und Politiker*innen und sogar einer kleinen Gegendemo erfolgte heute Mittag tatsächlich der erste Spatenstich für den Ausbau der Königsbrücker Straße.

Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) sprach von einem historischen Moment. Immerhin sei hier 33 Jahre lang geplant worden. Es gab drei Planfeststellungsverfahren, allein das dritte dauerte sechs Jahre. Er bat die Anwesenden, sich zu kneifen. Denn offenbar wollte bis zuletzt niemand so recht glauben, dass wirklich mit dem Bau begonnen wird.
Wie notwendig der Ausbau ist, erläuterten die Vorstände der Dresdner Verkehrsbetriebe und der SachsenEnergie, Andreas Hemmersbach und Frank Brinkmann. Während Hemmersbach betonte, dass in den vergangenen Jahren schon Millionen in die Instandhaltung der Gleise geflossen seien, wies Brinkmann darauf hin, dass Teile der Leitungen unter der Straße mehr als 150 Jahre alt seien.

Während an der Oberfläche die Gleise erneuert, die Fahrbahn asphaltiert und Radwege angelegt werden, soll es unterirdisch für fünf verschiedene Medien neue Leitungen geben: Kabel für Internet und Telefonie, Gas, Wasser, Strom und Fernwärme. Das zeigt, welche Dimensionen die Baustelle haben wird. Das betonte auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Hilbert war schon zu Zeiten der Variante 7 mit dem Projekt befasst, damals noch als Vertreter von Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU).
Die nun umzusetzende Variante 8.7 soll nach aktuellem Stand 87 Millionen Euro kosten. 29 Millionen davon trägt die Stadt, 41 Millionen die DVB. Der Ausbau der Straße zwischen Albertplatz und Stauffenbergallee soll in drei Bauphasen bis Ende Oktober 2029 erfolgen.
Mahnwache
Am Rande des Spatenstichs hatten sich Unterstützer*innen der Initiative „Königsbrücker muss leben“ rund um den Piraten-Stadtrat Martin Schulte-Wissermann zu einer Mahnwache versammelt. Mit einer Kranzniederlegung betrauerten sie die Fällung von rund 120 Bäumen entlang der Königsbrücker. Im Zuge der Sanierung sollen nach den aktuellen Plänen 137 Bäume neu gepflanzt werden.

Fast unendliche Geschichte
Pläne, die Straße zu sanieren, gibt es schon sehr lange. Nachdem wechselnde Stadtratsmehrheiten mehrere Varianten scheitern ließen, gab es schließlich am 23. Juni 2016 die Entscheidung zugunsten der Variante 8.7. Seitdem hat außer den Piraten niemand mehr an dieser Ausbauvariante rütteln wollen.

Die Variante 8.7 war, wie es der Name schon sagt, nicht der erste Plan, die Königsbrücker Straße auszubauen. Schon in den 1950er Jahren wurde ein Ausbau diskutiert, konkreter wurde die Diskussion 1994. Es entstanden Pläne für einen vierspurigen Ausbau und Demonstrationen dagegen (mehr Ausbau-Details in der Wikipedia).
Mit der Einigung im Jahr 2016 auf die Variante 8.7 hielt erstmals eine Planung länger als eine Legislaturperiode. Bei der Umsetzung hakte es dennoch.
- http://www.koenigsbruecker-muss-leben.de/
- www.dresden.de/koebrue
- Berichte seit 2009 zum Ausbau der Königsbrücker im Neustadt-Geflüster unter: weeklyfallback.neustadt-ticker.de/tag/koebrue
























Gut, dass die Gruppe ihren Schmerz so verarbeiten kann. Jetzt kann endlich gebaut werden. Wahrscheinlich hätte man eher anfangen können, wenn nicht so viel unsinnig protestiert worden wäre.
Um Bäume drumherum bauen ist ein Alptraum. Beispiel: Bei der Sanierung vom Kinderhaus Regenbogen, musste um eine Kiefer drum herum gebaut werden. Ich habe mich mit den Bauverantwortlichen unterhalten: wahnsinnige extra Planung und Kosten, unnötige Kompromisse. Am Ende hätte man mit weniger Aufwand viel mehr schöne Bäume da haben können.
Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie schwer ich es wäre, fünf neue Medien um und unter 120 alte Bäume drumherum zu bauen. Gut, dass diese weltfremden sich nicht durchgesetzt haben sondern Leute mit Fachwissen und Sachverstand!
Nach 33 Jahren Planungsverfahren kann man sich freuen, dass es nun endlich losgeht mit den Bauarbeiten. Zugleich sollte die Freude gedämpft sein ob dieser eigentlich unglaublichen Planungs- und Verwaltungsabläufe. Daran sollte lieber noch mehr erinnert werden, dass man mit solchen Vorlaufzeiten keinen Staat modernisieren und Vertrauen in Politik und Verwaltung wiederherstellen kann.
Werden die Fußwege allesamt links und rechts der Straße auch erneuert?
Wiedereinmal der selbstherrliche Jonk. Warum geht es nicht freundlicher? Übrigens die Leitungen werden nicht unter den Bäumen verlegt.
Hallo Sven, werden sie.
Da möchte ich Jonk gerne zustimmen.
Sosehr ich oft aus sachlichen Gründen davon ausgehe, dass mehr Baum gut für die Stadt ist, sehe ich hier gute Gründe für die Fällaktion. Wenn ich es richtig verstehe, werden doch auch neue Bäume als Ersatz an der neuen Straße angepflanzt, oder?
Da können dann auch klimawandelresistentere Arten gewählt werden. Auch muss ich sagen, wenn ich unter den großen hitze- und trockengestressten alten und sehr großen Bäumen per Fuß oder Fahrrad lang gehe bzw. fahre, mir gelegentlich etwas mulmig wird. Vielleicht kommt die Axt jetzt nur dem nächsten Sturm oder dem nächsten Trockenhitzesommer zuvor…
Unfreundlichkeit kann ich dem Beitrag von @Jonk nicht entnehmen. Und ja, wir müssen einfach mal wieder „Machen“! Man darf auch, ähnlich wie bei den Tauben, emotional sein wenn ein paar Bäume entfernt werden. Wenn diese neu angepflanzt werden, dürfte aber das Taschentuch schnell wieder trocknen. Im Zuge dessen stellt sich mir noch die Frage, ob der Blumenschmuck aus Kunststoff ist. Nicht das dafür Rosen sterben mussten, wohlmöglich noch ganz umweltfreundlich aus Holland importiert.
Ihr wisst aber schon, dass es Jahrzehnte dauert, bis die Ersatzpflanzungen wieder die Größe der Bestandsbäume erreicht haben. Wenn sie nicht zwischendurch vertrocknen. Für die Menschen die da wohnen bzw. zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, wird das dann im Sommer schön sonnig und heiß. Wenn man natürlich nur im klimatisierten Auto schnell durchfahren will, stört einen das natürlich nicht. Besonders weitsichtig ist das in Zeiten des Klimawandels und sich immer stärker aufheizender Städte jedoch nicht.
In der Regel werden an solchen Stellen mehrfach verschulte Bäumen gepflanzt. Die haben dann sehr viele Feinwurzeln und wachsen sehr gut an und dann recht schnell in die Höhe und an denen können wir uns dann alle erfreuen. Das konnte man sehr gut an der Stübelallee am großen Garten beobachten. Dort haben sie vor vielen Jahren vier Reihen alte Bäume weggemacht, neue verschulte gesetzt und alles war nach kurzer Zeit wieder fein.
Ich empfehle allen etwas mehr Vertrauen in die Planer. Ich habe größten Respekt vor dieser unglaublich komplexen Aufgabe sowohl örtlich, zeitlich, organisatorisch und so weiter. Diese Komplexität können meisten nicht Mal erahnen. Hier wird nicht auf der grünen Wiese gebaut, sondern im Bestand und während laufender Nutzung. Und wenn es für den Ablauf, die Dauer, die Kosten und die Sicherheit aller notwendig ist, alte Bäume zu fällen, dann ist das eben so! Niemandem ist geholfen, wenn sie bei den Bauarbeiten Schäden erleiden und dann doch eingehen und umstürzen. Und wer lesen kann weiß, dass es nachher mehr Bäume sind als vorher, auch an Stellen, wo bisher noch keine waren!
Und das Schild mit dem „Stefan Kühn tötet 120 Bäume in seiner Amtszeit“ ist voll daneben, total anmaßend und wird seinen Bemühungen um eine grüne Stadt in keinster Weise gerecht. Geht mal in die Dresdner Heide, da werden jedes Jahr tausende Bäume geerntet und da sehe ich keinen mit so einem albernen Schild rumstehen „Förster sind fiese Baummörder!“