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Rundumgrün an der Schiefen Ecke

Neustadt-Geflüster bei Google bevorzugen

An der Schiefen Ecke ist seit heute Mittag alles anders: Die neue Ampelschaltung an der Kreuzung Rothenburger Straße, Louisenstraße und Görlitzer Straße ist in Betrieb. Hinzugekommen sind vier neue Fußgängerampeln und neue Markierungen auf der Fahrbahn. Außerdem wurde ein Teil der Ketten an der Kreuzung entfernt. Jetzt kann man direkt vom Musikhaus zum Tranquillo oder vom Pecatto zum Café Continental queren.

Erste sächsische Diagonal-Ampel in Betrieb - Foto: Anton Launer
Erste sächsische Diagonal-Ampel in Betrieb – Foto: Anton Launer

Am frühen Nachmittag herrschte noch leichte Verwirrung: Viele Fußgänger*innen querten die Straße weiterhin auf die gewohnte Weise, diagonal unterwegs war zunächst kaum jemand. Dabei ist das „Rundumgrün“ eine kleine Premiere – es ist die erste Ampel dieser Art in Sachsen.

Die Fußgängerampeln springen jetzt an allen Kreuzungsarmen gleichzeitig auf Grün. Wer will, kann diagonal queren, ohne zweimal warten zu müssen. Passend dazu wurden auf der Fahrbahn neue Markierungen für die Diagonalquerung aufgebracht.

Während der Grünphase für den Fußverkehr haben Autos, Radfahrer*innen und Straßenbahnen Rot – und umgekehrt. Heißt: keine Rechts- oder Linksabbieger, die einem in die Quere kommen. Dafür verlängern sich die Wartezeiten in den jeweiligen Rotphasen etwas.

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Laut Stadtverwaltung wurde das Steuergerät der Anlage erneuert und um zusätzliche Fußgängerampeln erweitert. Ausgeführt wurden die Arbeiten von der Firma Yunex GmbH im Rahmen turnusmäßiger Erneuerungen. Die Gesamtkosten liegen bei rund 75.000 Euro.

„Neue Wege“ an alter Problemkreuzung

Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn (Grüne) bezeichnet die Schiefe Ecke als Testfall. Man gehe hier „neue Wege“, das Rundumgrün biete dem Fußverkehr erstmals in Dresden Grünphasen mit vollständiger Wegefreiheit.

Sollte sich die Lösung bewähren, sei eine Übertragung auf andere kleine bis mittelgroße Kreuzungen denkbar. Zunächst soll beobachtet werden, wie die neue Regelung im Alltag angenommen wird. Unterstützung kommt auch von den Dresdner Verkehrsbetrieben.

Grüne: Sicherheitsgewinn vor allem für Kinder

Auch aus der Politik gibt es Zustimmung. Ulrike Caspary, mobilitätspolitische Sprecherin der Grünen-Stadtratsfraktion, lobt, dass die Verwaltung Neues ausprobiert.

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Der Fußverkehrsanteil sei in den vergangenen Jahren spürbar gewachsen. Gleichzeitig sei der Nachholbedarf bei Platzverteilung und Sicherheit weiterhin groß. Das Rundumgrün reduziere die Unfallgefahr, weil Fußgänger*innen nicht mehr auf abbiegende Autos achten müssten. Davon profitierten vor allem Kinder und Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind.

Einen Vorteil sieht Caspary auch für den Autoverkehr: Geradeausfahrende müssten nicht mehr hinter wartenden Rechtsabbiegenden stehen.

Nach Rundum-Grün gibt's Rundum-Rot - Foto: Anton Launer
Nach Rundum-Grün gibt’s Rundum-Rot – Foto: Anton Launer

Norbert Rogge, Stadtbezirksbeirat für die Neustadt, ordnet die neue Schaltung in den größeren Kontext der Louisenstraße ein. Neben der Alaunstraße sei sie die zentrale Fuß- und Geschäftsachse der Äußeren Neustadt – ein Status, den die bisherige Verkehrsaufteilung nie wirklich abgebildet habe.

Die Ampelumstellung sei Teil der laufenden Umgestaltung „Louisenstraße im Wandel“ und ein Schritt in die richtige Richtung. Offen bleibe für ihn die Frage abgesenkter Bordsteine, die eine barriereärmere Querung ermöglichen würden.

Ob sich die Diagonalquerung im Alltag bewährt, dürfte sich schnell zeigen. Wer seine Meinung dazu loswerden möchte, kann das ab sofort auch online tun: Im Rahmen der laufenden Umfrage zu „Louisenstraße im Wandel“ ist seit heute eine eigene Frage zum Rundumgrün freigeschaltet.

Lautstark flüster - Neustadt-Geflüster unterstützen

18 Kommentare

  1. Also vorab: Ich unterstütze solche Versuche und finde diagonal Ampeln generell ne gute Sache.

    Aber: Warum ausgerechnet am Assieck? Dort achten eh nur die Touristen auf die Fußgängerampel und gefühlt bin ich dort schon immer diagonal drüber gegangen. Würde mir sowas eher an großen unübersichtlicheren Kreuzungen wünschen. Albertplatz, schön vom Simmel rüber zum neuen Klo. Oder Bautzner / Rothenburger. Meine Vermutung: Ging wahrscheinlich vom Papierkram her einfach unkomplizierter, da die Louisenstraße eh gerade ein Versuchsfeld ist. Könnte ich dann auch verstehen.

  2. @Pieschener: Du hast Dir die Antwort schon selbst gegeben. Für die Kreuzung Albertplatz wäre das tatsächlich sehr spannend, bei der jetzigen geometrischen Gestaltung aber wohl mit hohen Wartezeiten für ÖPNV und MIV verbunden, weil die Diagonal-Querungszeit ziemlich lange dauert. Von der Spitze Simmel bis zur Spitze Toiletten-Insel sind es mehr als 60 Meter. Das heißt man müsste eine knappe Minute Räumzeit einplanen, nachdem die Fußgänger-Ampel wieder auf Rot geschaltet hat. Zum Vergleich: Jetzt ist die längste Querung zwischen der Klo-Insel und der Fontäne des Artesischen Brunnens nur 30 Meter – und da gibt es noch die Straßenbahn-Mittel-Insel.

  3. Sehr schön: „Klo-Insel“ :-). Danke Anton für diesen Begriff. Wird das dann bald der offizielle Name für diesen Platz?

  4. „Während der Grünphase für den Fußverkehr haben […] Radfahrer*innen […] Rot“

    Hahahahaha…. guter Humor

  5. @Pieschener will gar nicht wissen, wie oft du Fahrzeuge zum Notbremsen gezwungen hast. Gar nicht mal so rücksichtsvoll von dir

  6. Nach 50 K Louisenstraßengrün nun 75 K für Diagonalampel. Alles temporäre Projekte. Gibt es eine Datenlage zu vergangenen Unfällen an dieser Kreuzung? Verkommt die Neustadt zur politischen Spielwiese?
    Kommt als nächstes ein Kühn`sches Fahrradbarometer um die Ecke?

  7. Danke für den Verweis auf die Umfrage „Louise im Wandel“ Dort wird u.a. abgefragt, ob es durch die temporäre Grüngestaltung in der Louise mehr PLATZ zum Laufen, Flanieren und Fahrradfahren gibt.
    Ich liebe ja solche Umfragen.

  8. Mittags wartet man an der Kreuzung manchmal länger auf vorbeifahrende Autos als auf Grünphasen irgendwelcher Kreuz und Quer Ampeln.

  9. Diese Kreuzung wird nun endlich sicherer für all die SchülerInnen der Louisenschule und des DKS. Wie oft ich dort schon fast mit meinen Kindern von rücksichtslos abbiegenden Autos überfahren wurde…Als
    Erwachsene hab ich das gut im Blick, Kinder mitunter nicht. Dringend überfällig- Danke!!

  10. Erst fand ich die Sache gut, aber konnte beobachten, dass sich die Autos bis in die Kreuzung Alaun stauen. Ander Ampelschaltung müsste also noch mal was gedreht werden.

  11. @Katrin, das nächste Fahrradbarometer auf der Sachsenallee wird im Laufe der nächsten Wochen eingeweiht, jedoch wohl vorerst das letzte in DD sein.

  12. Erstmals hat Dresden eine Ampel, bei der sich Autofahrer, Straßenbahn und sogar Radfahrer (zumindest theoretisch) solidarisch gemeinsam in der Rotphase wiederfinden – damit ausschließlich der Fußverkehr einen Komfortgewinn erhält. Man kann das politisch durchaus wollen. Nur sollte man dann nicht behaupten, es sei eine Verbesserung für alle. Manche bekommen neue Freiheiten, die anderen neue Wartezeiten. Aber in einer Schlange zu warten kann eine durchaus entschleunigende Wirkung auf Körper und Geist haben und für einige hat das „Schlange stehen“ eventuell auch etwas nostalgisches. Eventuell sind das die Gründe dafür, warum Alle etwas von der Ampelschaltung haben. Da ja bereits der Vergleich zu Großstadtampeln in Japan genannt wurde fällt mir ein japanisches Sprichwort ein: „Hast du es eilig, gehe langsamer (oder mache einen Umweg)“

  13. Mich irritiert das immer, mit dem Barometer. Ich hab so ein Teil in der Wohnung und das zeigt mir den Luftdruck an. Erscheint mir auch logisch, wegen der Einheit bar.
    An der Kreuzung bin ich mal gespannt, ob die Quergeher plötzlich bei rot warten werden oder nicht. Die eventuelle Schuldfrage jedenfalls erscheint mir vorab geklärt. Zumindest hier in den Diskussionen…

  14. ich stimme Romina zu!
    Auch von Lieferverkehr wurden wir mehrmals im Monat einfach fast überrollt beim Abholen der Kinder von der anliegenden Kita auf dem Weg zur Bahn!
    fühlen uns jetzt so viel sicherer an der Kreuzung!
    man darf auch nicht vergessen, dass die Kreuzung zwar verhältnismäßig klein ist, aber aufgrund der „schräge“ der Kreuzung vor allem für rechtsabbiegende autos von louisenstraße auf görlitzer nicht ganz leicht zu überblicken.

  15. Die Aussage „Erstmals hat Dresden eine Ampel, bei der sich Autofahrer, Straßenbahn und sogar Radfahrer (zumindest theoretisch) solidarisch gemeinsam in der Rotphase wiederfinden – damit ausschließlich der Fußverkehr einen Komfortgewinn erhält.“ von Monsieur Calvin Candie ist schlicht falsch, da die Tram an dieser Kreuzung immer Vorrang hat und Grün bekommt…sie wartet nur bei Gegenverkehr auf die andere Tram wegen der engen Ecke. Jeder der in der Neustadt wohnt und deshalb zwangsläufig häufiger da ist weiß das. Die neue Ampelschaltung ist natürlich keine Verbesserung für alle, weil das im Falle einer Ampel selbsterklärend faktisch unmöglich ist. Wenn man jetzt aber die Anzahl der kreuzenden Menschen Auto+Fahrrad ins Verhältnis setzt zu Fussgänger+ÖPNV wird schnell klar dass es sich für die meisten verbessert oder gleichbleibt und nur für die Minderheit minimal verschlechtert. Ich finde die neue Ampel deshalb gut und sinnvoll.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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