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Die Eyecatcherin an der Rothenburger

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Seit 2005 handelt Anja Aehlig in der Neustadt mit Möbeln, die andere längst abgeschrieben hatten – erst an der Hoyerswerdaer Straße, seit 2007 an der Rothenburger. Wer neugierig ist, darf in die Werkstatt schauen. Wer selbst etwas Altes im Flur stehen hat, kann es hier herrichten lassen.

Anja Aehlig im Eyecatcher an der Rothenburger Straße - Foto: Anton Launer
Anja Aehlig im Eyecatcher an der Rothenburger Straße – Foto: Anton Launer

Im Eyecatcher an der Rothenburger Straße 11 steht unter anderem ein Louis-Philippe-Schrank, der aussieht, als hätte er einiges gesehen. Hat er auch. Anja Aehlig holt solche Stücke aus Frankreich und Belgien nach Dresden. Jedes Jahr fährt sie sechs Wochen lang durch Nordfrankreich und Belgien, um Möbel und Leuchter aufzuspüren. Wo die alten Farben noch da sind, bleiben sie erhalten und werden konserviert. Bei den Kristallleuchtern gibt es Exklusives, aber keinen Plastikkram.

Erst Blumen, dann Schränke

Dabei fing alles mit Blumen an. Aehlig lernte Floristin, machte nebenher Abitur und jobbte dafür bei Blumen Stammnitz auf der Louisenstraße, später dann fest. Den Meister machte sie als staatlich geprüfte Floristin im bayerischen Weihenstephan. Danach rief die Heimat, und Stammnitz nahm sie wieder. Der Plan war trotzdem längst die Selbstständigkeit. Der Floristenmarkt sei hart umkämpft, sagt sie, und das Geschäft schwer.

Wunderbare alte Möbel, liebevoll aufgearbeitet - Foto: Anton Launer
Wunderbare alte Möbel, liebevoll aufgearbeitet – Foto: Anton Launer

Am 17. April 2005 eröffnete sie den Eyecatcher an der Hoyerswerdaer Straße, gegenüber dem Bautzner Tor, damals als sogenannte Ich-AG. Im Angebot waren Naturskulpturen und Interieur als Hingucker. Nebenbei jobbte sie auf dem Weihnachtsmarkt, um das Geschäft zu finanzieren.

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Patina und Poesie

Allmählich entwickelte sich das Sortiment in Richtung alter Möbel mit Patina: Craquelé, vergilbte, abgetönte Farben, die Zeit als Gestaltungsmittel. 2006 lernte sie den Tischler Volker Heinz kennen. Aehlig hatte einen Stand auf dem Elbhangfest, aber kein Auto. Heinz bot Fahrdienste an. Man arbeitet bis heute zusammen.

Später kam Shabby Chic dazu. Nach eigener Einschätzung war der Eyecatcher das erste Geschäft in Dresden, das diesen Stil als Lebensgefühl anbot. Die Kundschaft fragte damals, ob sie wirklich glaube, so etwas verkaufen zu können. Sie konnte.

Geprägt hat sie auch eine Japanreise im Rahmen ihrer Meisterausbildung und die Begegnung mit Wabi Sabi, der Schönheit des Vergänglichen. Oder, wie ein Restaurator es ihr später sagte: Alte Sachen geben Hoffnung auf die Zukunft.

Tausenderlei kleine Schönheiten im Lädchen - Foto: Anton Launer
Tausenderlei kleine Schönheiten im Lädchen – Foto: Anton Launer

Sieben magere Jahre

2007 zog der Laden auf die Rothenburger Straße 11. Das Konzept war verfeinert, der Plan da, und trotzdem waren die ersten sieben Jahre hart – „bei Brot und Wasser“, wie Aehlig ihren damaligen Lebensstil rückblickend mit einem Augenzwinkern beschreibt. Man brauche einen Grundstock an Werkzeug und viele Standbeine, sagt sie: Kleiderschränke, Reparaturen, Leuchter, Accessoires. Selbst Hand angelegt hat sie von Anfang an.

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2008 gewann der Eyecatcher gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Ulrich Krüger den Realisierungswettbewerb „Flora Design 2008“ in der Altmarkt-Galerie. Unter dem Motto „Tapetenwechsel“ planten und realisierten sie ihren Entwurf. Es gab den ersten Preis. Der Eyecatcher wurde bekannter, hatte seine Identität gefunden und bald zwei Festangestellte. Man reparierte Buffets, Kleiderschränke und Kommoden und verkaufte Leuchten und Accessoires.

2014 kam ihr Kind. Als Selbstständige hat man weder Mutterschutz noch Gehalt ohne Arbeit; man müsse die Rolle der Mutter und die der Selbstständigen unter einen Hut bekommen, sagt sie.

Um 2015 war Shabby Chic in aller Munde und damit auch in jeder Preis- und Qualitätsklasse erhältlich. Aehlig zog die Konsequenz und verabschiedete sich von dem Konzept. Seitdem setzt sie auf klassische monochrome Farbfassungen, Craquelé sowie künstlerische, individuelle Muster.

Alt, neu, selbst gebaut

Eines ihrer Standbeine ist die Aufarbeitung von Kundenmobiliar, gegebenenfalls mit neuer Farbfassung. Wer unsicher ist, nimmt Probeplatten mit nach Hause. Licht macht Farbe, und Farben beeinflussen sich gegenseitig. Kleinere Arbeiten erledigt Aehlig direkt im Hinterzimmer des Ladens, für größere Projekte gibt es eine Werkstatt im Industriegelände.

Kleine Reparaturen kann Anja Aehlig direkt in der Ladenwerkstatt durchführen. Foto: Anton Launer
Kleine Reparaturen kann Anja Aehlig direkt in der Ladenwerkstatt durchführen. Foto: Anton Launer

Dazu kommen eigene Entwürfe, gern auch auf Kundenwunsch: Regale aus Industriefenstern, „Türenschränke“ aus alten Haustüren, Sideboards und TV-Boards aus antiken Schubladen oder Küchenschränken. Besonders wichtig sind Aehlig die historischen Leuchter, Hängelampen und Laternen. Ganz ohne neue Sachen geht es allerdings nicht: Messinglampen, Spiegel, Garderoben und Accessoires ergänzen das Sortiment. Manches davon nennt sie selbst „abgefahren“.

Ästhetisch und nachhaltig soll es sein, möglichst individuell – und Dinge sollen erhalten bleiben. Gestalterisch, schöpferisch und sozial beschreibt Aehlig ihre Arbeit.

Von der Villa bis zum Büro

Mit dem Eyecatcher hat Aehlig unter anderem schon die Villa Sorgenfrei in Radebeul, den Laden „Delikat“ von Stefan Hermann am Weißen Hirsch und das Restaurant „elements“ in den Zeitenströmungen eingerichtet. Hinzu kommen Büroausstattungen, vor allem aber Privat- und sogar Laufkundschaft.

Gerade die Lage an der Rothenburger Straße und der nahe Kontakt zur Kundschaft gefallen ihr. Und die vielen verschiedenen Leute, die hier vorbeikommen.

Leichter wird es nicht. Die Kosten steigen, Corona war schwierig, zeitweise ging es nur mit Termin. Ihr Plan für die Zukunft ist entsprechend unspektakulär: so weitermachen.

Ein Besuch im Eyecatcher ist ein Erlebnis für die Augen. Foto: Anton Launer
Ein Besuch im Eyecatcher ist ein Erlebnis für die Augen. Foto: Anton Launer

Eyecatcher – exklusive Interieurs

  • Rothenburger Straße 11, 01099 Dresden
  • Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Sonnabend 11 bis 16 Uhr, Termine auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung
  • Telefon 0351 2069449
  • der-eyecatcher.de
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Ein Kommentar

  1. Ein toller Laden mit tollen Sachen. „Leider“ hatte ich meine Wohnung schon mit Holzmöbeln ausgestattet und daher blieb es bei Kleinigkeiten einkaufen.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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