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Ungewisse Zukunft im Grüntal

Neustadt-Geflüster bei Google bevorzugen

Seit 2010 gibt es an der Kamenzer Straße, Ecke Sebnitzer Straße, das „Grüntal“, einen Bio-Laden, der von Anfang an auf Regionalität und Kundschaft aus der Nachbarschaft setzte. Nun hat Betreiber René Moldau die Reißleine gezogen und das Ende des Lädchens angekündigt.

Will sich aus dem Grüntal zurückziehen: René Moldau. Foto: Anton Launer
Will sich aus dem Grüntal zurückziehen: René Moldau. Foto: Anton Launer

„Die Gründe sind vielfältig“, heißt es auf einem Zettel an der Eingangstür. „Seit Corona haben wir sinkende Umsätze, auch die Mitgliederzahlen sind zurückgegangen“, sagt Moldau im Gespräch mit dem Neustadt-Geflüster. Gleichzeitig seien die Betriebskosten gestiegen. „Ich habe hier gern gearbeitet“, sagt er. Gemeinsam mit Dirk Funk gründete er das Geschäft, seit einigen Jahren führt Moldau das Lädchen mit zwei Aushilfen allein. Das Grüntal funktioniert seit Jahren als Gemeinschaft: Ein Großteil der Kundschaft ist zugleich Mitglied und zahlt monatliche Beiträge, dafür sind die einzelnen Produkte günstiger.

Bislang konnte Moldau das Geschäft vor allem über seine anderen Tätigkeiten querfinanzieren. Mit Team Dauerwelle ist er als DJ recht erfolgreich unterwegs. Inzwischen sei jedoch ein Punkt erreicht, an dem sich das Lädchen wirtschaftlich nicht mehr betreiben lasse.

Noch sind die Regale gut gefüllt. Foto: Anton Launer
Noch sind die Regale gut gefüllt. Foto: Anton Launer

Ein konkretes Ende für das Grüntal gibt es noch nicht. Bis Ende Juli bleibt es auf jeden Fall geöffnet, wenn auch mit deutlich reduzierten Öffnungszeiten. Moldau hofft, dass sich eine Initiative aus der Nachbarschaft findet, die das Grüntal als Kollektiv weiterführt. Ähnliche Beispiele gibt es mit der Phase IV oder dem Lose-Laden. Der bestehende Mitgliederstamm bilde dafür bereits eine gute Grundlage.

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„Wenn sich Leute finden, die das weiterbetreiben, stehe ich natürlich mit Rat und Tat zur Seite“, sagt der Grüntal-Chef. Er kann sich sogar vorstellen, hin und wieder einzelne Schichten zu übernehmen. Ein erstes Treffen potenzieller Nachfolger*innen ist bereits angesetzt: Am kommenden Sonntag (12. Juli) wollen sich Interessierte um 19.30 Uhr im Hinterhof der Kamenzer Straße 36 treffen. Wer nicht teilnehmen kann, kann sich auch direkt bei Moldau im Laden melden.

Grüntal

  • Kamenzer Straße 36, 01099 Dresden
  • Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 14 bis 18 Uhr
  • gruental-dresden.de
Wie geht's weiter mit dem Grüntal an der Kamenzer Straße - Foto: Anton Launer
Wie geht’s weiter mit dem Grüntal an der Kamenzer Straße. Foto: Anton Launer

12 Kommentare

  1. ja schade, das scheint irgendwie der normale lauf zu sein. die grossen fressen die pioniere. ich glaube der verbrauchergemeinschaft geht es auch nicht so gut. die biosphere hat ja auch schon vor vielen jahren aufgegeben.

  2. Soweit ich weiß, läuft es bei der VG ganz gut. Der Verkauf der Bio-Sphäre an Denn’s hatte nach Aussagen des Betreibers damals keine wirtschaftlichen, sondern private Gründe.

  3. Zwar schade, aber man sieht ja wo der Bär steppt und die Bude brummt: bei REWE, Netto, Simmel & Co. Diese Massen dort tagtäglich, die ungesunde Massen verkonsumieren. Echt cool, daß sehr viele Vermieter vorzüglich Studenten in die Wohnungen nehmen, da kann man schön die Miete regelmäßig erhöhen. Lokale Familien oder Pärchen, die lange und dringend suchen, sind nicht mehr up to date. Immer mehr ortsfremde und landesfremde Leute zogen und ziehen zu, oft als neumodische „Globale Nomaden“ selbst in einer Opferrolle, die brauchen aber den alten Krams nicht, sind irgendwann eh wieder weg. Die brauchen Onlineshops und eine riesen Pappetonne, vielleicht könnte man aus dem Grüntal eine Pappeannahmestation machen? Immerhin ist die dortige neue Eigentümerin (eine Dresdnerin) sicherlich keine, die den nächsten Barber-, Shisha-, Tattoo-, Fitnessstudio- oder Dönershop reinnimmt, oder wie diese sinnfreien Käseläden heute so heißen. Man bräuchte eigentlich einen Laden für all die Zerlotterten, BTM-Dauerbetäubten, Vagabundierenden, Übersehenen, Vergessenen, Rumschreienden, Dauer-Hochalkohlisierten und wie sie alle dahersiechen. Das sind sehr viele, die sind eben nicht nachmittags zw. 4 und 6 zur Mammi-&-Pappizeit unterwegs und sichtbar, aber sonst schon sehr. The Lost Place könnte man die Ecke dann als neuen Laden nennen. Geschäftsgrundlage: keine! Aber viel Herzblut, Idealismus und Hoffnung, daß es für jene doch nochmal anders kommen könnte. Eine Enklave des Mikro-Kommunismus in dieser sonstigen kapitalistischen Massenpsychose. Danke.

  4. @Radka: Was für ein Schwurbel-Manifest. Verhungern muss hier niemand, aber in deinen hochgelobten Kommunismus-Hochburgen wie Nordkorea und Kuba sieht’s anders aus. Aber Hauptsache Kritik losgelassen, was in Deinen hochgelobtem System so nicht ohne Konsequenzen möglich wäre.

  5. … wie zuverlässig manche aus jeder Meldung ihre ganz persönliche Weltuntergangserzählung machen. Der Betreiber nennt sinkende Umsätze und gestiegene Kosten. Daraus wird dann ein Monolog über Studenten, „landesfremde Leute“, Shisha-Bars, Drogen, Kapitalismus und Mikro-Kommunismus. Das ist keine Analyse – das ist literarisches Improvisationstheater.

  6. @ Radka Karachovic: Ich glaube du musst dich schon entscheiden: entweder Kapitalismus verstehen und kritisieren oder halt Ressentiments gegen „orts- und landesfremde“ bedienen. Zweites bleibt ne nicht diskutable Sackgasse.t

  7. Schade. Das Pflaster ist echt rauer geworden für Gastro und Einzelhandel. Hatte auch gedacht, den Laden gab’s sicher schon seit 2000, kommt mir vor wie eine Ewigkeit! Alles Gute dem Betreiber und den neuen Wagemutigen!

  8. Eigentlich hat Herr Karachovic – mit seinem doch recht fremdĺändischen Namen – schon irgendwie recht. Vielleicht meint er auch gar nicht Nordkorea, denn dort ist kein Kommunismus. Ich sehe es eher als verzweifelten Wutanfall und dabei kommt alles etwas durcheinander. Und ob die neue Eigentümerin, die das Haus den Mietern weggekauft hat, wirklich die Rettung ist? Schön wäre das natürlich. Aber Wunder sind selten.

  9. Ich hatte lediglich meine Analyse beschrieben, das muß niemand teilen, ich hatte mich weder zum bezuglosen Nomadentum noch zu Kapitalis- oder Kommunismus positiv bzw. negativ geäußert. Es war eine zunächst wertungsfreie Analyse, die ja auch nicht alle Gründe von Veränderung beeinhalten muß. Aber ich denke schon daß diese Faktoren relevant sind. Denn die Frage kann ja mal beantwortet werden, warum sich solche Lädchen eine Ära lang halten, abseits dessen aber nicht, es gibt immer Gründe.
    Insofern witzig, wie die ganzen Möchtegern-Interpreten hier sich verrennen, wahrscheinlich die übliche westliche Oberflächlichkeit. Daddeln im Wischphone-Zeitalter ist eben nicht Lesen oder gar Verstehen können. PISA dokumentiert ja geradezu den Verfall hierzulande deutlich. Ciao.

  10. Ich dachte Radka wäre ein weiblicher Vorname. Aber das kann gern als „wertungsfreie Analyse“ betrachtet werden. Im übrigen ist das ein interessanter Kunstgriff: Erst einen Kommentar voller wertender Begriffe schreiben und ihn anschließend zur „wertungsfreien Analyse“ erklären. Wer dann widerspricht, kann angeblich nicht lesen. Eine „wertungsfreie Analyse“, die Begriffe wie „landesfremde Leute“, „Zerlotterte“, „BTM-Dauerbetäubte“ oder „Mikro-Kommunismus“ verwendet, ist ungefähr so wertungsfrei wie ein Leitartikel mit zehn Ausrufezeichen. Wenn das die neutrale Version war, möchte ich die wertende lieber gar nicht erst lesen.

  11. Diese kleinen Läden scheinen prinzipiell keine allzu lange Lebensdauer zu haben, seien es Läden wie dieser hier, oder a&v Läden für gebrauchte Unterhaltungselektronik, oder auch Fahrradläden, alle diese Läden in Dresden, die es vor knapp zwanzig Jahren gab, sind heute faktisch alle weg, und jetzt machen auch grössere, wie Saturn, oder woolworth, an der altmarktgallerie zu, Karstadt hat auch wieder nen neuen Kredit bekommen, und so weiter, und so fort !

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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