Das Projekttheater in der Louisenstraße ist in Gefahr! Seit 1990 eines der kulturellen Herzstücke der Neustadt, droht zum 1. Mai das Verstummen: Denn dem ältesten Off-Theater Sachsens wird der Geldhahn zugedreht. Mit einer Petition kämpfen Team und Künstler*innen um das Weiterleben der Traditions-Bühne.

Von Beginn an wurde das Projekttheater auch von der Landeshauptstadt Dresden gefördert. Ab 2013 zog sich das Dresdner Kulturamt jedoch aus der institutionellen Förderung zurück, unterstützte fortan (nur noch) einzelne Projekte. Mit dieser finanziellen Unsicherheit gingen sowohl das Team als auch die engagierten Künstler*innen transparent um, wuppten rund 160 Veranstaltungen mit etwa 7.500 Zuschauer*innen pro Jahr.
Dabei fungiert die Off-Bühne in der Louisenstraße nicht nur als Aufführungsort, sondern auch als Plattform für gesellschaftlichen Austausch, etwa durch Workshops und Diskussionsveranstaltungen.
Der Freistaat Sachsen übernahm die Rolle als Hauptgeldgeber. „Aber nun wurde uns durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus mitgeteilt, dass der Freistaat Sachsen ab 2027 seine Förderung um etwa die Hälfte kürzen wird und erwartet, dass die Landeshauptstadt Dresden den fehlenden Betrag ausgleicht“, sagt Projekttheater-Chef Dirk Strobel. Bislang förderte Sachsen das Projekttheater mit 241.400 Euro jährlich.
Der Ausgleich durch die Stadt Dresden ist, Stand heute, aber sehr unwahrscheinlich. Im Gegenteil, die Förderung von 10.000 Euro für Neufindung und Neukonzeption wurde im Januar vom Kulturausschuss abgelehnt.

Sparkurs & Zukunft
Mit dem aktuellen Sparkurs der Landeshauptstadt Dresden wird auch die punktuelle Förderung einzelner Theaterproduktionen künftig ungewiss: „Die Stadt Dresden wiederum kürzt ohnehin Förderungen im Bereich Kultur und Soziales und signalisiert, dass eine Förderung des Projekttheaters aus Haushaltsmitteln nicht möglich ist“, berichtet Dirk Strobel.
Kunst & Sorge
Für Tänzerin und Choreographin Rahma Ben Fredj ist das Projekttheater erste Anlaufstelle gewesen und wurde zur zentralen Plattform für „kreative Entwicklung und kulturellen Austausch.“ Bereits dreimal wirkte Ben Fredj am Projekttheater, zuletzt 2025 zur Langen Nacht der Dresdner Theater mit „Die Fremdin“.

Die Offenheit des Teams habe es ihr ermöglicht, unterschiedliche künstlerische Formen zu erproben und auch ihre Grenzen zu erweitern: „Das Theater hat mich darin bestärkt, auch riskante Ideen auf die Bühne zu bringen“, so Ben Fredj. Die Sorge, es könne zu Ende gehen, ist groß.
Wachstum & Armut
Bereits 2018 verwirklichte Charles Washington mit M ~ {Birnam Woods} seine erste Arbeit am Projekttheater. Die Dresdner Off-Bühne beschreibt der Choreograph und Tänzer dabei als „essentiell“ für die Entwicklung experimenteller Arbeiten: „Künstlerische Ideen brauchen vielfältige Umgebungen, in denen sie wachsen können. Ohne das Projekttheater wird die Dresdner Kulturlandschaft ärmer, enger und weniger lebendig.“

Flamenco & Katharsis
Unter anderem als Lichtdesigner wirkte David Meister in den vergangenen vier Jahren an sechs Produktionen am Projekttheater mit, zuletzt 2026 für „Hello to you from these places“.
„Das ist ein ganz besonderer Ort, weil hier immer etwas anderes passieren kann. Mal ist es Flamenco, am nächsten Abend eine tieftraurige Performance. Es gibt nichts Vergleichbares in Dresden“, sagt Meister. Zudem sei der Zugang zu den Ressourcen wie Bühne und Technik stets niedrigschwellig und vertrauensvoll gewesen.

Petition & Spendensammlung
Nun hat das Projekttheater-Team eine Petition zum Erhalt der Kulturbühne im Herzen der Neustadt gestartet. Denn die Sache ist ganz einfach ernst: „Sollte unser Ringen um eine Weiterförderung ab 2027 nicht erfolgreich sein, muss das Theater schließen“, so die bittere Rechnung von Strobel.
Die Entscheidung soll am 1. Mai fallen.
Projekttheater
- Louisenstraße 47, 01099 Dresden
- www.projekttheater.de
- Projekttheater mit einer Spende unterstützen? Hier geht’s zur Spendenkampagne.



















Alles hat mal ein Ende….
7.500 Zuschauer*innen pro Jahr. ??? Also 20,54 pro Tag => wie konnte solage überhaupt sowas gefördert werden ?? Das ist ja reine Steuergeldverschwendung! Man sollte noch die Leute zur Verantwortung ziehen die sowas beeilligen.
Bei einem Saal mit maximal 85 Plätzen (aufgestuhlt), normal 68 Plätzen, ist ein Schnitt von rund 47 Besucher*innen pro Veranstaltung gar nicht mal so schlecht. In Summe haben wir hier eine Förderung von ca. 30 Euro pro Besucher. Vergleich das mal mit Semperoper, Philharmonie oder Staatsoperette.
Na dann schreib doch mal was ein semperoperzuschauer so an steuergeld kostet! Frank
Da X vor dem posten nicht selber suchen kann löse ich auf: 2025 waren es wohl 240€ (!!) pro Ticket.
Ich drück dem Projekttheater alle Daumen, dass es irgendwie weiter geht!
Hab jede Menge tolle Erinnerungen daran!
Die olle Hochkultur gibts hier in Dresden an jeder Ecke und das meiste wird mit viel Geld gefördert. Der Wiederaufbau des Schlosses wird am Ende über 400 Millionen Euro kosten.
Aber sämtliche Subkultur kämpft von Saison zu Saison.
Damit will ich nicht das Eine gegen das Andere ausspielen. Alles hat seine Berechtigung. Aber auch die Kunst vergangener Zeiten war irgendwann mal zeitgenössisch.
Deshalb fänd ich es schon gut, nicht nur nach hinten zu schauen, sondern auch mal einen Blick auf die Gegenwart zu werfen …
@Anonym
„Na dann schreib doch mal was ein semperoperzuschauer so an steuergeld kostet! Frank“
Sogar zu faul, Shift zu drücken. Pah. Aber bitte sehr:
Laut Haushaltsplan Sachsen (1a) betragen im Jahr 2025 die Zuschüsse für laufende Zwecke der Sächsischen Staatstheater (bestehend aus Sächsischen Staatsoper Dresden aka Semperoper und dem Staatsschauspiel Dresden) etwa 97 Mio. €. Dazu, wie das Geld zwischen den beiden Betrieben aufgeteilt wird, fand ich nix. Die Stadt Dresden gibt wohl auch nochmal 4 Mio. € im Jahr dazu. (1b)
Zur Semperoper:
2025 besuchten ca. 300.000 Zuschauer* Vorstellungen (2) und 2024 gab es etwa 140.000 Leute, die an Führungen teilnahmen (3). Ich nehme jetzt einfach mal an, dass es in 2025 ungefähr genauso viele waren.
Zum Staatsschauspiel
Das betreibt die Spielstätten Schauspielhaus, Gemäldegalerie Alte Meister, Kleines Haus und Innenhof Japanisches Palais. In der Saison 2024/2025 zählten alle Spielstätten zusammen etwa 210.000 Besucher* (4)
Pauschalisieren wir jetzt mal ganz brutal die Opern, Führungen und Schauspiele, summiert es sich auf 650.000 verkaufte Tickets. 101 Mio. Euro durch 650.000 Tickets und man kommt auf 155 € je Ticket an Zuschuss. Unterstellen wir, dass Opern teurer sind als Schauspielvorführungen und die teurer als Führungen, halte ich den durchschnittlichen Zuschuss von 240 € je Opernticket für durchaus im Bereich des Möglichen.
Da benehmen sich die 8.000 € für die SoberParty im oka ja eigentlich ganz zurückhaltend ;)
Irgendwie fände ich es ganz schön fair, wenn auf jedem Ticket mit drauf gedruckt werden würde, wie viel Zuschuss vom Staat/Land/Stadt/Fluss mit dabei ist. Sowas wie „Eigentlich hätte dieses Ticket 319 € kosten müssen, dank Zuschuss brauchten Sie aber nur 79 € zahlen“.
Wenn wir schonmal den Taschenrechner ausgepackt haben:
Dresdner Philharmonie
Bei der ist es ja so, dass die Stadt der Träger ist. Für das Jahr 2025 sagt die Vorschau des Haushalts Einnahmen iHv 5,5 Mio € und Ausgaben iHv von 27,1 Mio € voraus. Dementsprechend ist ein Zuschuss von 22,6 Mio € in den Haushaltsplan eingestellt (5a). Die Philharmonie deckt sich also zu ca. 20 % selbst. Oder die Tickets müssten eigentlich Faktor 5 teurer sein.
Zu den Besucher*zahlen fand ich so richtig keine Quellen. Die KI antwortet mit ca. 200.000 Besuchern* in 2024. Nehmen wir das mal so für bare Münze, kommen wir also auf 22,6 Mio € / 200.000 Tickets = 113 € Zuschuss pro Ticket.
Ein süßes Seitenthema:
Es wurde ja kolportiert, dass die Sänger* des Erwachsenen-Chores der Philharmonie demnächst 25 Euro Monatsbeitrag zahlen sollen (6). Das ergibt im Jahr so flockige 21.000 €. Noch offen ist, ob auch für die Kids Beiträge erhoben werden (ebenda). Bei ca. 150 Kids und 15 Euro im Monat macht das nochmal 27.000 €. Zusammen so Richtung 50.000 €.
Dem gegenüber steht, dass die Intendantin eine Vertragsverlängerung ab Mitte 2026 unterzeichnete. Soweit so schön. Damit einherging auch eine Gehaltsanpassung. Auch schön. Von momentan 180.000 Euro im Jahr wird es auf 220.000 Euro angehoben. Ups. Ursprünglich hatte die Stadt ihr wohl noch eine weitere Erhöhung in einem zweiten Schritt auf 264.000 Euro angeboten (HUCH!), was sie dann aber freundlicherweise (nach Kritik) ablehnte (wie angenehm von ihr) (7).
Rechnen wir spitz: Die auf die Chorsänger* zukommenden Beiträge decken die Gehaltserhöhung ihrer Oberchefin ganz gut ab. Das ist genau mein Humor!
Beste Grüße
Peter
*) Ja, das ist das Gendersternchen
1) https://www.finanzen.sachsen.de/download/EP12_DHH25_26.pdf
1a) ebenda Seite 440
1b) ebenda Seite 409
2) https://www.evangelisch.de/inhalte/253308/03-03-2026/semperoper-mit-957-prozent-auslastung
3) https://www.radiodresden.de/beitrag/besucherrekord-fuer-semperoper-860746/
4) https://www.dnn.de/kultur/regional/staatsschauspiel-dresden-mit-210-000-besuchern-wie-vor-corona-CPMD72AEO5BJJMFVGTSJ7WCGVQ.html
5) https://www.dresden.de/media/pdf/haushalt/haushalt-2025-2026/2025-06-24-V0068-24_HHPlan-2025-2026_Band-II_OB-GB4.pdf
5a) ebenda Seite 619/620
6) https://www.saechsische.de/kultur/regional/dresden-philharmonie-spart-ab-2027-bei-chorsaengern-und-publikum-WL5CENQ6KFAQPFIIBLCEXBMRLA.html – Paywall
7) https://www.saechsische.de/kultur/regional/intendantin-der-dresdner-philharmonie-frauke-roth-verlaengert-vertrag-bis-2031-CWG6V77OL5CLPKWDHCHJN5V5GA.html – Paywall
Kopf hoch, im Sommer können die ehemaligen Angestellten auf den neuen Pflanzenpaletten in der Louisenstraße sitzen. Dieses punktgenau investierte Steuergeld für temporäre Holzbauten ist vielfach besser ausgegeben, als für ein Projekttheater.
Danke Peter für die ausführliche Rechnung. Da sieht man wieder: die Behauptung, die Stadt hätte kein Geld, stimmt nicht. Das Problem ist eher, WOFÜR kein Geld da ist und wofür hingegen schon. DARÜBER sollte man diskutieren.
Warum arbeiten Intendant*innen eigentlich nicht ehrenamtlich? Sie sollten doch froh sein, dass man ihnen so eine tolle Stelle bietet. Das ist doch Belohnung genug. /s
das ende wäre wirklich fatal für die neustadt, hier haben ganze generationen von schülern ihre ersten eigenen theaterauftritte vor grossem publikum gehabt und erlebt.
@Frintert wer die Semperoper mit einem Schuppentheater vergleicht, leidet unter Realitätsverlust.
@X: In beiden gibt’s ’ne Bühne. In beiden gibt’s Sitze, Beleuchtung, manchmal Musik, manchmal Tanz, manchmal Theater, manchmal Singspiele. Ich finde, das kann man sehr gut vergleichen. Aktuell sind beide Einrichtungen sehr real.
Wieso Du jetzt aber unterstellst, dass sich das Projekttheater in einem Garten befindet, erschließt sich mir nicht. Meines Wissens nach befindet es sich nach wie vor in einem Haus an der Louisenstraße.
@Anton.. x meinte sicher nicht, dass sich das Theater in einem Schuppen am Rande eines Gartens befindet… er wollte sicherlich die Lokalität als eben solche bezeichnen. Er hat nicht mit einberechnet, dass es Schuppen in diversen Grössen gibt, manche , wie die Brauerei am Theaterplatz haben enorme Ausmasse und eine durchaus zeigenswerte Innenausstattung. .;-)
In den 90iger Jahren war das Projekttheater die Anlaufstelle für gutes Theater, neben dem TIF in Löbtau. Ab den Nullerjahren hatte ich eher den Eindruck, dass es sich selbst genug ist und weniger Offen. Es wirkte auch nicht gerade einladend. Seit 2023 öffnete es wieder die Türen. Es ist aber ausbaufähig: Theater sollte für alle da sein. Meiner Meinung nach, war es auf den richtigen Weg. Schade!
Eventuell gäbe es mehr Nachfrage nach Karten, mehr Einnahmen und mehr Förderung wenn Radeberger mit der Hausansicht der Louisenstraße 47 werben. Ob dazu dann auch Wagner als musikalische Untermalung passt wage ich zu bezweifeln. Eventuell dann besser „Die Internationale“.
Förderung ist wichtig. Das Aushänge-Institutionen mehr Geld bekommen sollte einleuchten. Da die Häuser gut ausgelastet sind, könnte man auch dort die Preise erhöhen. Die Besucher (mich eingeschlossen) werden auch diese Preise zahlen. Dann könnte man Fördermittel auch anders verteilen. Grundsätzlich sollte aber auch in der Kultur eine gewisse Verhältnismäßigkeit gelten. Man muss nicht alles mögen, aber man muss auch nicht überall Geld reinstecken vor allem wenn die Projekte selbst mit Förderung finanziell nicht funktionieren.
Über den Verdienst von Intendanten zu philosophieren ist unnötig, da sich diese Diskussion auf alle Bereiche und Institutionen ausweiten lässt (MDR, staatliche Einrichtungen, Militär, Sport, Politik usw.) und auch hier eine gewisse Verantwortung der Personen gern vergessen wird. Karriere ist zudem eine Pyramide und kein Plattenbau. Es kann nur einer oben stehen und der verdient dann eben am meisten. Ägypter gab es viele Tausende Jahre, die DDR nur 41.